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Epigenetik

Neue Erkenntnisse der Epigenetik und ihre Auswirkungen auf die Hundezucht

von Sabina Achtig

(Quelle: Züchterinformationstagung am 25.Mai 2013, Vet.med.Univ.Wien, A.Prof.Dr.I.Sommerfeld Stur)

 

Das ist Neu! Die Wirkung von Genen und sogar die weitere Vererbung kann durch die Umwelt verändert werden. Harmonie, Fürsorge und ein gesundes Umfeld haben z.B. positiven und nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der ungeborenen Welpen bis hin zum erwachsenen Hund. Dieser Einfluss kann sich sogar in den Genen niederschlagen und weiter vererbt werden.

 

Am 25. Mai fand auf der Vet. med. Universität Wien eine Züchterinformationstagung statt, auf der auch das Thema „Epigenetik – Genetik im Licht neuer Erkenntnisse“ vorgestellt wurde. Wie wir dort erfahren konnten, haben die brandneuen Erkenntnisse der Epigenetik auch großen Nutzen und Einfluss in der Hundezucht.

Frau A.Prof.Dr.I.Sommerfeld Stur berichtete von sensationellen neuen Erkenntnissen über Veränderungen der Wirkungen von Genen durch Umwelteinflüsse. Diese Veränderungen der Genwirkungen durch Umwelteinflüsse können schon bei den Elterntieren erfolgen, bei der Befruchtung der Eizelle und bis hinein in das Wochenbett reichen, bzw. auch das Wesen, Lebensalter und die Gesundheit beeinflussen.

Mendel und Co. ist doch nicht „Der Weisheit letzter Schluss“

Seit Darwin und Mendel (die Väter der Genetik) war es wissenschaftlicher Konsens, dass die Vererbung ausschließlich von den Genen bestimmt wird und durch Umwelteinflüsse nicht veränderbar ist. Jedes Individuum erhält von den Eltern die Erbinformationen (Genotypen) und diese bleiben unbeeinflusst von der Umwelt ein Leben lang gleich und werden genauso wieder auf die Nachkommen weiter vererbt.

Neue Ergebnisse in der Epigenetik zeigen jedoch ein anderes Bild.

Die Epigenetik („Über Genetik”) wird seit ca. 10 Jahren erforscht. Es geht darum, dass nicht wie bisher angenommen, der Genotyp (Erbinformation) eines Individuums sein ganzes Leben lang gleich bleiben muss und genau so weiter vererbt wird, sondern dass durch Umwelteinflüsse und Veränderungen durch die Epigenetik (epigenetische Modifikationen) sich Genfunktionen im Laufe eines Lebens ändern können und damit auch die Erbinformationen verändert an die Nachkommen weiter vererbt werden können.

Licking-Effekt

Z.B. könnten die Welpen einer gestressten Hundemutter, die ihre Nachzucht schlecht betreut, im Wesen ängstlich, zurückhaltend und stressintolerant werden und dass infolge sogar weiter vererben. (Das Gen für Stressresistenz bleibt ausgeschalten = inaktiv). Die selben Welpen, einer fürsorglichen Hundemutter in harmonischem Umfeld untergeschoben, liebevoll betreut und abgeschleckt, entwickeln ein normales und stresstolerantes Wesen und vererben das auch weiter (durch Fürsorge wird das Gen für Stressresistenz = Glucocorticoid-Rezeptor-Gen erst eingeschaltet). So kann sich eine stressige Umwelt auf die Welpenentwicklung und auf die weitere Vererbung sehr nachteilig auswirken.

Funktionen von Genen können ein- und ausgeschaltet werden

Bei der Epigenetik spielen mehrere Mechanismen eine Rolle. Ein kleiner Teil (ca. 2%) der Gene sind funktionale Gene, die direkt für die Vererbung wichtig sind und ihre Funktionen sind bekannt. Für den Großteil der Gene sind die Funktionen noch nicht bekannt. Ihnen schreibt man inzwischen die Beteiligung an den Prozessen der epigenetischen Modifikation zu. Die Funktionen dieser Gene können auch durch die Umwelt ein- oder ausgeschaltet (aktiviert oder inaktiviert) werden.

Die Spezialisierung von Zellen (Bsp. Bildung von den verschiedenen Organen in der Embryonalphase und Zellbildung während des gesamten Lebens) wird durch epigenetische Modifikationen und eben durch solche ein- oder ausgeschalteten Gene grundlegend bestimmt.

Bei diesen Prozessen kann einiges passieren und es kann auch durch die Umwelt beeinflusst (durch Aktivierung oder Inaktivierung solcher Gene) zu den verschiedensten Krankheiten und Veränderungen im Wesen kommen. So entstehen „genetischen Erfahrungen“ im Laufe des Lebens, die auch weiter vererbt werden können. Das ist wie gesagt, eine wirklich neue Auffassung der Wissenschaft.

Teilweise sind die Aktivierung und Inakivierung von Genen („genetische Erfahrung“) auch durch entsprechende Veränderung der Umwelt und Training wieder rückgängig zu machen (z.B. Licking-Effekt), teilweise aber nicht. Besonders sensible Lebensphasen für die „genetische Erfahrung“ sind die Embryonalzeit, die Zeit der Primärsozialisation (Wochenbett und Welpenentwicklung) und die Zeit der Pubertät.

Hier wird nun besonders deutlich, wie prägend die Entwicklung von unseren Hunden durch uns Menschen und durch die Umwelt beeinflusst wird.

Im Detail:

Epigenetische Mechanismen

Wir haben 3 wesentliche Mechanismen der epigenetischen Modifikation kennen gelernt.

  1. Blockieren des Ablesens des genetischen Codes (Methylierung) = reversibel (wieder rückgängig zu machen) und falsches Ablesen des genetischen Codes, durch Punktmutation wird der genetische Code verändert = nicht reversibel (nicht wieder rückgängig zu machen)
  2. Der DNA Strang (Erbinformation, 2m lange Doppelhelix) wird so fest gewickelt, dass er nicht abgelesen werden kann (Histonmodifikation)
  3. Die Abschrift der DNA (m-RNA) wird auf dem Weg zu den Ribosomen (Ort der Eiweißsynthese in der Zelle) von Antisense DNA abgefangen und blockiert.

Kampf der Geschlechter („Imprinting“)

Sehr spannend und interessant war auch, dass der Aktivitätsstatus (eingeschalteter oder ausgeschalteter Zustand) bei ca. 1% der Gene davon abhängt, ob das Gen vom Vater oder von der Mutter stammt. Hier besteht ein Kampf der Geschlechter.

  1. Mütter schalten den Wachstumsfaktor ab (inaktiviertes Igf2) – ihr „Interesse“ ist es, lieber viele aber langsam wachsende Nachkommen zu produzieren (bei Mäusen)
  2. Väter schalten die Wachstumshemmer ab (inaktivierter Igf2-Rezeptor) – sein „Interesse“ ist es, lieber wenige, aber stark wachsende Nachkommen zu produzieren (bei Mäusen).

Die durch „Imprinting“ veränderten Gene (geschlechtsspezifisches Ausschalten des  Gens) bilden ihre Merkmale auch aus (manifestieren sich), wenn sie heterozygote Genotypen sind (ein normales und ein durch „Imprinting“ verändertes).  Durch „Imprinting“ veränderte Gene sind daher sehr anfällig gegen schädigende Umwelteinflüsse. Wenn es sich um ein weibliches „Imprinting“ verändertes Gen handelt, wird dieser Defekt auch an die Nachkommen weiter gegeben.

Ein Beispiel dafür wurde genannt, dass Nachkommen von rauchenden Vätern eine erhöhte Anfälligkeit für Asthma haben – ein bestimmtes Gen beim Vater wird ausgeschaltet und so ausgeschaltet an die Nachkommen weiter vererbt.

Der Zeitpunkt der Aktivierung von Genen hat Einfluss

Es gibt auch eine zeitliche Bedeutung, wann ein Gen aktiviert wird. So entscheidet z.B. der Zeitpunkt, ob die Flecken der Schildpattkatze größer oder kleiner sind. Je früher in der Embryonalphase das dafür verantwortliche x-Chromosom eingeschaltet (aktiviert) wird, umso großflächiger werden die schwarzen und roten Flecken.

Zusammengefasst sind derzeit 3 wesentliche Wirkungen bei epigenetischen Mechanismen bekannt:

  1. das Ein/Ausschalten von Genen
  2. Änderung der quantitativen Genwirkung
  3. Änderung der zeitlichen Genwirkung

Die bisher bekannten Prinzipien der Vererbung durch die Gene gelten selbstverständlich auch weiterhin. Jedoch wurden durch die neuen Erkenntnisse der Epigenetik Mechanismen offensichtlich, die die vorhandenen Gene außer Kraft setzen oder erst zur Wirkung bringen können. Und diese Vorgänge sind auch abhängig von den jeweiligen Umwelteinflüssen.

So kann beispielsweise ein Defektgen vorhanden sein, aber nicht zur Wirkung kommen, weil es ausgeschaltet ist. Und erst bei bestimmten Umwelteinflüssen wird dieses Defektgen eingeschaltet (aktiviert) und der Defekt tritt auf und wird dann auch als aktiviertes Defektgen weiter vererbt.

Als Beispiel wurde genannt, dass Weichmacher in Plastik (Bsp. Bisphenol A und Phthalate) die Wirkung von Defektgenen verstärken können, weil die Einwirkung dieser Weichmacher das Blockieren des Defektgens verhindern und damit die volle Wirkung zu Tage tritt (Bsp. Agouti-Mäuse = methabolisches Syndrom, Diabetes).

Als weiteres Beispiel wurde genannt, dass chemische Pflanzenschutzmittel schwere gesundheitliche Störungen geschlechtsspezifisch bei den männlichen Nachkommen verursachten (sogenannter Dimorphismus), die dann auch weiter vererbt wurden bei den männlichen Nachkommen bis in die 3. Generation. Bsp. Vinclozolin im Mäuseversuch bewirkte Fruchtbarkeitsstörungen, Brustkrebs, Nierenerkrankungen, Prostataerkrankungen, Immundefekte bis in die 3. Generation. Die männlichen Nachkommen waren bis in die 3. Generation deutlich ängstlicher als die weiblichen Nachkommen.

Genetik und Epigenetik

Der genetische Code im Organismus bestimmt, welche Eiweiße überhaupt aufgebaut werden können.

Der epigenetische Code sagt dem Organismus, wann und wo und in welcher Menge die genetisch codierten Eiweiße dann tatsächlich aufgebaut werden. Das kann als „genetische Erfahrung“ weiter vererbt werden. Und das ist wiederum auch umweltabhängig und das erstaunlich Neue.

 

Schlussfolgerungen für die Hundezucht

Die bisherigen Zuchtstrategien wie z.B. maximale Abklärung des Gesundheitsstatus und Selektion, Vermeidung von Inzucht behalten ihre Bedeutung. Jedoch kommt den Umwelteinflüssen bei der Zucht und Haltung von Hunden eine wesentlich größere Bedeutung zu.

Die Optimierung der Umwelt bei der Hundezucht und Hundehaltung besonders bei den Elterntieren und in den sensiblen Lebensphasen (gesamte Trächtigkeit – besonders wichtig in der Phase der Organbildung, die ersten Lebenswochen, die Pubertät) ist daher ein Grundvoraussetzung für gesündere Tiere und höheres Lebensalter.

Negative Umwelteinflüsse sind z.B. Stress, Gewalt, Umweltgifte, ungeeignete Fütterung. Z.B. braucht es laufend Nachschub für die Bausteine der Aktivierung oder Inaktivierung von Genen (Methygruppen) in Form von speziellen Futterstoffen wie z.B. Vitamin Cholin (Aminosäuren – Lysin, Methionin), Betain (Oxydationsprodukt des Colins, quartäre Ammoniumverbindung), sowie Vitamin Folsäure (wasserlöslich, in Spinat), Vitamin B12, Zink.

 

Besonders sensible Lebensphasen und – bereiche in der Epigenetik

  1. Embryonalentwicklung – Organdifferenzierung, Gehirnentwicklung (Trächtigkeit)
  2. Jugendentwicklung – Primärsozialisation (Welpenstube), Organwachstum und – entwicklung, Lernen
  3. Weitere Lebensphasen – Pubertät, Fortpflanzung, Stoffwechsel, Krankheit-Gesundheit, Lebenserwartung

Trotz noch vielen offenen Fragen ermöglichen die neuen Erkenntnisse der Epigenetik eine stärkere Einflussnahme auf das Erscheinungsbild (Phänotyp) des Hundes insbesondere in Hinblick auf Wesen, Gesundheit und Langlebigkeit. Den Züchtern und Haltern von Hunden kommt einmal mehr die Verantwortung zu, für eine optimale Gestaltung der Umwelt zu sorgen, damit sich die Hunde in Wesen und Körper gesund entwickeln können und ein hohes Lebensalter erreichen.

07.03.2015. 11:48

Infromationen zu den Zähnen

Autor:

Ralph Rückert
Tierarzt
Bei den Quellen 16
89077 Ulm / Söflingen

Zähne


Fleischfresser

In den letzten Jahren erschienene Untersuchungen zeigen deutlich, welch großen Einfluss die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch auf den gesamten Organismus hat. Chronische Zahnfleischentzündungen, die schon durch geringen Zahnsteinansatz entstehen können, führen in vielen Fällen zu schleichenden und unheilbaren Erkrankungen der Nieren und des Herzens, die die Lebenszeit von Hund, Katze und Frettchen (aber auch des Menschen!) drastisch verkürzen.

Andauernde Zahnschmerzen, die das Fressverhalten keineswegs immer beeinträchtigen, führen speziell bei Katzen oft zu stressbedingten Magenschleimhautentzündungen mit häufigem Erbrechen. Rechtzeitige und regelmäßige prophylaktische Zahnreinigungen beugen diesen Problemen effektiv vor und verbessern das Wohlbefinden des Tieres spürbar.

Die durch Zahnsteinansatz entstehenden Schäden am Zahnhalteapparat sind nur durch frühzeitiges und regelmäßiges Eingreifen rückgängig zu machen. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass starker Maulgeruch bei Fleischfressern normal wäre; vielmehr ist er ein deutliches Anzeichen für Erkrankungen der Maulhöhle. Zögern Sie in solchen Fälle nicht, auch außerhalb der jährlichen Vorsorgeuntersuchungen den Zustand der Zähne Ihres Tieres überprüfen zu lassen.

Neben der Entzündung des Zahnhalteapparats, der Parodontitis (im übrigen die häufigste Erkrankung der Welt) spielen bei Katzen die sogenannten Felinen Odontoklastischen Resorptivläsionen (FORL) eine immense Rolle. Bei dieser ausgesprochen schmerzhaften Erkrankung werden die Zähne durch körpereigene Zellen zerstört, und zwar häufig mehr oder weniger unsichtbar unterhalb des Zahnfleischsaumes. Die befallenen Zähne können oft nur durch Röntgenaufnahmen identifiziert werden. Katzen leiden sehr still. Vermeintlich ungestörte Futteraufnahme ist leider kein Beweis für eine gesunde Maulhöhle. Von FORL befallene Katzen (mehr als 50 Prozent der über Fünfjährigen!) müssen sehr engmaschig kontrolliert werden, um inakzeptable Schmerzzustände zu vermeiden.

(Beitrag gekürzt)

07.03.2015. 11:43

Informationen zur Narkose

Autor:

Ralph Rückert
Tierarzt
Bei den Quellen 16
89077 Ulm / Söflingen

Anästhesie / Narkose

Balancierte Anästhesie – Risikominimierte Narkose auch für Hoch-Risiko-Patienten

Gerade die Besitzer älterer Tiere, die eventuell schon unter Vorerkrankungen leiden (z.B. Nieren- oder Herzinsuffizienz), fürchten sich oft vor der zur Durchführung dringend erforderlicher Maßnahmen (Zahnsanierung!) notwendigen Narkose. Dies ist in Anbetracht der inzwischen zur Verfügung stehenden Anästhesieverfahren in der Regel unbegründet und darf kein Grund sein, dem Patienten Eingriffe zu verweigern, die seine Lebensqualität entscheidend verbessern können.

Dem anästhesieerfahrenen Tierarzt stehen heutzutage durch sensibles und situationsangepasstes Kombinieren einer Vielzahl anästhesiologisch wirksamer Injektions- und Inhalationspräparate im Sinne des Baukastenprinzips belastbare Narkosen für jede Altersstufe und fast alle denkbaren Vorerkrankungen zur Verfügung.

Unter den Schlagworten „Total Intravenöse Anästhesie (TIVA)“ und „Balancierte Anästhesie“ werden die drei Komponenten der Allgemeinnarkose (Hypnose = Bewusstseinsverlust, Relaxation = Muskelerschlaffung und Analgesie = Schmerzfreiheit) getrennt voneinander betrachtet und je nach Anforderung unterschiedlich gewichtet. Durch das Zusammenspiel mindestens dreier entsprechend wirksamer Substanzen kommt es zu synergistischen (wirkungssteigernden) und gleichzeitig deutlich nebenwirkungsvermindernden Effekten. Zudem sind diese modernen Anaesthesieverfahren optimal steuerbar, so dass auf Narkosekrisen sehr schnell reagiert werden kann und der Patient nach Abschluss des Eingriffes in Rekordzeit wieder wach und mobil ist.

Die Zeiten, in denen nach grobem Schätzen des Körpergewichtes und ohne Berücksichtigung individueller Eigenheiten oder Vorerkrankungen des Patienten eine standardisierte Narkosemittelmenge intramuskulär verabreicht und dann darum gebetet wurde, dass die Dosis weder zu hoch noch zu niedrig sein möge, sollten eigentlich vorbei sein. Unter diesen Voraussetzungen war und ist es leider möglich, dass Patienten während eines Eingriffes erwachen oder nach der Operation noch tagelang in ihrem Befinden eingeschränkt sind. Solche Verfahren kommen allerdings in der Regel nur noch dort zum Einsatz, wo Tierbesitzer durch möglichst niedrige Operationskosten angelockt werden sollen.

Hunde und Katzen werden in unserer Praxis zur Durchführung einer Allgemeinnarkose grundsätzlich mit einem venösen Zugang versehen und intubiert. Über den Venenkatheter und die je nach Anforderungsprofil des Patienten mitlaufende Dauertropfinfusion ist die streng wirkungsabhängige und präzise Steuerung der Anästhesie möglich, der Trachealtubus hält die Luftwege zuverlässig offen, verhindert die Aspiration (Einatmung) von Mageninhalt und Speichel und sichert die Beatmung mit reinem Sauerstoff mit etwaigem Narkosegaszusatz. Verschiedene Überwachungsgeräte und -methoden sorgen dafür, dass wir uns jederzeit über den Zustand des Patienten im Klaren sind und eventuell sich ankündigende Krisen ohne Zeitverzug erkennen und meistern können. Der Verlauf der Narkose und die Ergebnisse der Überwachungsmaßnahmen werden von uns in einem Anästhesieprotokoll erfasst, das der Patientenbesitzer bei Abholung seines Tieres in Kopie ausgehändigt bekommt. Auf diese Art anästhesierte Hunde und Katzen sind in der Regel bereits eine Viertelstunde nach Beendigung des Eingriffes wieder wach und nach spätestens einer halben Stunde gehfähig.

Unter den sogenannten „kleinen Heimtieren“ (Kaninchen, Meerschweinchen, Degus, Ratten, etc.) gibt es bezüglich der für Hunde und Katzen geltenden Vorgehensweisen bestimmte physiologische und offensichtliche anatomische Einschränkungen. So dürfen beispielsweise Meerschweinchen aus bestimmten Gründen niemals intubiert werden. Dennoch bemühen wir uns auch hier, durch die wohlausgewogene und situationsangepasste Kombination von Injektions- und Inhalationsanästhesie ein Höchstmaß an Sicherheit zu erzielen. Besonders hervorzuheben ist hier die zwar etwas aufwändige, aber sehr sichere „Triple-Narkose“, eine Kombination von drei Injektionspräparaten (evtl. mit Verstärkung durch Inhalationsnarkose), die durch drei entsprechende Gegenmittel innerhalb kürzester Zeit antagonisiert (wieder aufgehoben) werden kann. Auch bei den kleinen Heimtieren findet selbstverständlich eine präzise Narkoseüberwachung statt, deren Ergebnisse in ein Protokoll eingetragen werden.

Zusammenfassend dürfen wir Sie dringend bitten, ein höheres Alter und/oder Vorerkrankungen Ihres Tieres auf keinen Fall als Hinderungsgrund für die Durchführung dringend erforderlicher Maßnahmen in Allgemeinnarkose zu sehen. Wir sind aufgrund intensiver Weiterbildung auf diesem Gebiet und entsprechender apparativer Ausstattung in der Lage, fast jedem Patienten eine maßgeschneiderte und schonende Anästhesie zu gewährleisten. Gerade das alternde Tier hat ein Recht auf ein möglichst unbeschwertes und schmerzfreies Dasein, ohne beispielsweise unter endlosen Zahnschmerzen oder unbehandelten Tumoren leiden zu müssen.

07.03.2015. 11:36

Informationen zum Impfen

...und beschütze mich vor den scheußlichen Pocken und allem Übel. Amen!

01.03.2015

Von Ralph Rückert, Tierarzt

So steht es am Ende eines Gebets aus dem 9. Jahrhundert: Beschütze mich vor den scheußlichen Pocken und allem Übel. Amen! Es gab zu dieser Zeit sicher genug Übel, weit mehr, als wir uns heutzutage vorstellen können. Welchen unsäglichen Schrecken müssen die Pocken bedeutet haben, dass der Schutz vor ihnen an erster Stelle, vor allem anderen Übel, erfleht wurde.

Über Tausende von Jahren haben die Pockenviren die Menschheit gequält wie kaum ein anderer Krankheitserreger. Bei der berühmten Antoninischen Pest, die im 2. Jahrhundert n. Chr. 24 Jahre lang durch das gesamte Römische Imperium tobte, bis zu 10 Millionen Menschen das Leben kostete und zeitweise die öffentliche Ordnung völlig zum Zusammenbruch brachte, dürfte es sich nach heutiger Auffassung um die Pocken gehandelt haben. In Amerika wurden ganze Indianer-Nationen durch die von den Europäern eingeschleppten Pocken innerhalb kürzester Zeit buchstäblich ausradiert. Ab dem 18. Jahrhundert forderten die Pocken in Europa nach modernen Schätzungen 400000 Todesopfer pro Jahr. Pro Jahr! Jedes zehnte Kind starb vor dem Erreichen des zehnten Lebensjahres an dieser Krankheit. Kinder gehörten oft erst zur Familie, nachdem sie die Pocken überstanden hatten. Und diejenigen, die das geschafft hatten, waren nicht selten für den Rest ihres Lebens schwer entstellt oder gar durch Blindheit, Taubheit, Lähmungen oder Gehirnschäden dauerhaft behindert.


1972 aber wurde der letzte Pockenfall in Deutschland registriert und nach dem allerletzten Ausbruch in Somalia 1977 waren die Pocken endgültig ausgerottet. Möglich gemacht hat diesen Sieg über eine der verheerendsten Krankheiten der Menschheitsgeschichte die Impfung gegen Pocken mit einer zeitweise sogar weltweit geltenden Impfpflicht. Die Narben auf meiner Schulter zeigen bis heute, dass ich zu der Generation Kinder gehörte, die damals in der Schule geimpft wurden. Der Horror vor dieser Krankheit war so groß, dass kaum jemand ernsthaft gegen diese (Zwangs-)Impfung protestierte, obwohl sie teilweise sehr unangenehme Nebenwirkungen hatte und man mit 15 lebensbedrohlichen Komplikationen und zwei Todesfällen pro einer Million Impfungen rechnen musste.


Nützliches Wissen für Partygespräche Nr. 1: Der Impfstoff beruhte auf Vaccinia-Viren, die damit zum Namensgeber für die Begriffe Vakzine (Impfstoff) und Vaccination (Englisch für Impfung) wurden.


Wissen für Partygespräche Nr. 2: Das Königreich Bayern hat bereits 1807 als weltweit erstes Land eine Pocken-Impfpflicht eingeführt. Sagen Sie nicht, Sie würden hier nichts lernen!


Im Winter 1979/80 traf ein neuer Krankheitserreger, eine Mutation des Katzenseuche-Virus, über Großbritannien, Belgien und Holland aus den USA kommend, auf eine darauf völlig unvorbereitete Hundepopulation in Deutschland. Das Canine Parvovirus (CPV) kostete innerhalb weniger Monate Tausende von Hunden das Leben. Es reichte ein Schnüffeln am Kot eines erkrankten Artgenossen. Jeder zweite infizierte Hund starb. Ganze Würfe von Welpen, die am Abend noch völlig gesund schienen, lagen am nächsten Morgen tot in ihren Körbchen. Allein die Tier-Pathologie der Uni Giessen untersuchte innerhalb eines knappen Jahres 1600 tote Hunde, um dem Erreger auf die Spur zu kommen. Vor den Praxen der Tierärzte, die in ihrer Not und mit teilweisem Erfolg Katzenseuche-Impfstoff zur Anwendung brachten, bildeten sich bis auf den Gehsteig reichende Schlangen panischer Hundebesitzer, die darauf hofften, eine Dosis von den knappen Vorräten für ihren Vierbeiner ergattern zu können. Noch bis in die frühen 90er haben wir ganze Nächte neben Würfen von parvovirosekranken Welpen zugebracht, die nach schrecklichem Kampf am Ende meist doch alle elendiglich gestorben sind. Den typischen Gestank der Parvovirose habe ich nach all den Jahren immer noch in der Nase, und er lässt meine Haare nach wie vor zu Berge stehen, denn das ist ein Geruch, den ein Tierarzt meiner Generation mit dem Tod assoziiert.


Dadurch, dass schon eine Impfung gegen die mit der Parvovirose eng verwandte Katzenseuche vorhanden war, konnte relativ schnell ein funktionierender CPV-Impfstoff entwickelt werden. Heutzutage kennen viele Hundebesitzer den Namen der Krankheit nur noch von den Aufklebern im Impfpass ihres Tieres. Bei nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Vet geimpften Hunden hat die Krankheit so gut wie keine Chance mehr. Am ehesten bekommt man sie als Tierarzt noch bei illegal eingeführten Welpen aus den ehemaligen Ostblock-Staaten zu sehen. Aber selbst solche kranken Import-Welpen können keinen Seuchenausbruch wie damals in den 80ern auslösen, solange mehr als 70 Prozent der einheimischen Hunde wirksam geimpft sind.


Nun, was haben jetzt die Pocken und die Parvovirose gemeinsam? Ganz einfach, sie sind fantastische Erfolgsgeschichten der Impfung. Das Konzept der Impfung gegen gefährliche Infektionskrankheiten ist eine der glänzendsten Erfindungen der Medizingeschichte. Impfungen und Hygiene in Kombination haben vielen Millionen Menschen und Tieren das Leben gerettet, mehr als jede andere medizinische Entwicklung. Das oberste Ziel der Medizin sollte nicht die Therapie, sondern die Prävention von Krankheiten sein, und unter diesem Gesichtspunkt ist das Konzept der Schutzimpfung das wertvollste Instrument zur Verhinderung unendlichen Leids bei Mensch und Tier gleichermaßen und hat - nebenbei bemerkt - noch unglaubliches Potenzial für die Zukunft. Man denke nur an die immer bedeutsamer werdenden Impfungen gegen bestimmte Tumorerkrankungen.


So, an dieser Stelle sollte der geneigten Leserschaft wohl klar geworden sein, dass ich mit meiner Frage, ob die Tollwut-Impfung unter bestimmten Umständen in Deutschland verzichtbar geworden ist, und mit meinem Angebot eines Impftiter-Schnelltests zur Vermeidung unnötig (!) häufiger Impfungen auf gar keinen Fall beabsichtige, mich in die Schublade mit dem Etikett "Impfgegner" einordnen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Ignorante Besserwisser, die aus Gründen abstrusester persönlicher Überzeugungen ihren Schutzbefohlenen - seien es Kinder oder Haustiere - Schutzimpfungen vorenthalten, deren Sinn wissenschaftlich bis zum Gehtnichtmehr bewiesen ist, treiben mir mit schöner Regelmäßigkeit die Zornesröte ins Gesicht.


Diese Schlaumeier tragen ihre dogmatischen und selbstgefälligen Spiegelfechtereien auf dem Rücken aller anderen aus. Das oben schon kurz angesprochene Konzept der sogenannten Herdenimmunität bedeutet nämlich, dass Impfgegner und -verweigerer nicht nur mit Gesundheit und Leben ihrer eigenen Kinder und Haustiere spielen, sondern auch den Rest der Population gefährden. Sinkt die Immunitätsrate auf unter 70 Prozent, stellt sich nicht die Frage ob, sondern wann es zu seuchenartigen Krankheitsausbrüchen kommen wird. Und sobald es dann mal wieder einschlägt wie jetzt mit den Masernausbrüchen in Teilen der USA und hier in Deutschland, insbesondere in Berlin, dürfen Unschuldige büßen für die stupide und meiner Meinung nach annähernd verbrecherische Verweigerungshaltung einer lautstarken Minderheit. Da müssen Kleinkinder schwer leiden oder sogar sterben, die aufgrund ihres Alters noch gar nicht geimpft sein können, weil sie von Leuten angesteckt werden, die - korrekte Impfung vorausgesetzt - niemals hätten erkranken dürfen. Nur für den Fall, dass sich jemand irgendwelche Illusionen macht: Wer sein Kind nicht gegen Masern impfen lässt oder gar mit ihm auf eine Masern-Party geht, nimmt sehenden Auges eine Chance von wenigstens 1 : 1000 wahr, dass er sein Kind damit umbringt. Die genannte Sterblichkeits-Rate von bis zu 3 : 1000 bezieht sich ganz ausdrücklich nicht auf Entwicklungsländer (wo sie natürlich noch viel schlimmer ist), sondern auf Europa und die USA.


Und auf genau die gleiche Misere können wir bezüglich unserer Hunde nur warten. Die guten Zeiten, in denen wir Tierärzte Welpenbesitzer in Bezug auf die Infektionsgefahren in den Welpenkursen der Hundeschulen beruhigen konnten, scheinen inzwischen vorbei zu sein. Da beißt die Maus keinen Faden ab: Das ganze, zum größten Teil aus der Luft gegriffene Gejammer wegen völlig illusorischer Risiken von Impfungen führt inzwischen zu einem spürbaren Absinken der Herdenimmunität der Hundepopulation in Deutschland. Wenn das so weitergeht, müssen wir damit rechnen, dass noch nicht vollständig durchgeimpfte Welpen durch intensive Kontakte mit Artgenossen in Hundeschulen oder bei gemeinsamen Spaziergängen wieder ernsthaft in Gefahr geraten, was unter dem Gesichtspunkt einer guten Sozialisierung höchst bedauerlich wäre. Jeder mit einem Funken Verantwortung im Leib muss sich darüber im Klaren sein, dass er eine korrekte, nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission durchgeführte Grundimmunisierung nicht nur seinem eigenen Tier, sondern auch allen anderen schuldig ist. Und den Hundeschulen kann ich nur dringend ans Herz legen, sich die Impfpässe von neuen Kunden sehr genau anzusehen. Ein einziger mit der Parvovirose infizierter Wühltisch-Welpe aus Polen oder Tschechien kann ausreichend sein für eine mittlere Katastrophe, die auch das Ende der Hundeschule bedeuten könnte.


Wir haben also die paradoxe Situation, dass die mit Vernunft gesegnete Mehrheit, die durch das Impfen ihrer Kinder und Tiere die Herdenimmunität auf über 70 Prozent hält, es der unsolidarischen Minderheit von Impfverweigerern überhaupt erst ermöglicht, ständig große Töne zu spucken ("Meine Kinder / Hunde werden nicht geimpft und waren noch nie krank!") und damit auch noch andere zum Schaden der Allgemeinheit zu verunsichern. Erst durch Impfungen wird ja eine Situation geschaffen, in der Impfverweigerer ohne großes persönliches Risiko existieren können. Ich halte allerdings jede Wette, dass im Fall eines Seuchenausbruchs diese Leute zu den ersten gehören, die laut nach einer Impfung schreiend die Praxistüren der Ärzte einrennen.


Begrifflich klar abgrenzen von der Impfverweigerung, mit der ich offensichtlich ein ernstes Problem habe, möchte ich eine impfkritische Einstellung in dem Sinne, dass man fortwährend in Frage stellt, wie intensiv, wie häufig man impfen muss, um optimalen und lebenslangen Schutz für den Impfling herzustellen. Das ist völlig legitim! In diesem Sinne bin auch ich als Tierarzt impfkritisch. Wir müssen so wenig wie möglich, aber so häufig wie nötig impfen! Ich bemühe mich sehr und fühle mich auch verpflichtet, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet genau zu beobachten und so schnell wie möglich in die tägliche Impfpraxis zu integrieren. Ich wage die Voraussage, dass wir in den nächsten zehn Jahren - zumindest was die Viruserkrankungen angeht - immer noch längere Impfintervalle erleben werden. Das ist eine gute Entwicklung! Auch die Forschung in Bezug auf die den Impfstoffen zur Erzwingung einer besseren Immunantwort beigegebenen und leider nicht ganz unproblematischen Adjuvantien wird sicher nicht stillstehen, was ebenfalls zu begrüßen ist.


Nichtsdestotrotz gibt es auch schon heute einfach keinen wirklich stichhaltigen Grund und ist es mindestens schwer fahrlässig, seinem Haustier oder seinen Kindern die von den Ständigen Impfkommissionen empfohlenen Impfungen nicht verabreichen zu lassen. Im Vergleich zu den sehr realen und schrecklichen Auswirkungen eines echten Seuchenausbruchs sind die möglichen Nebenwirkungen der Impfungen bei Mensch und Tier ungefähr so beeindruckend wie ein Knallfrosch neben einer Atombombe. Bleiben wir doch bitte realistisch: Es werden in Deutschland pro Jahr mindestens 3 Millionen Impfdosen an Hunde verabreicht. Das Paul-Ehrlich-Institut hat 2004 (also noch in einer Zeit, in der meist jährlich gegen alles geimpft wurde) veröffentlicht, dass für einen Fünf-Jahres-Zeitraum 450 Meldungen von Impfnebenwirkungen eingegangen wären. Der Löwenanteil waren lokale Reaktionen (Schwellung, Schmerzen, Rötung) an der Impfstelle. Dazu kamen einige spontane allergische Reaktionen, wie sie jeder Tierarzt kennt und zu behandeln weiß. Es wurde in diesem Zeitraum kein einziger Todesfall gemeldet! Das bedeutet so ungefähr eine leichte bis mittlere Nebenwirkung pro 30000 und keinen einzigen Todesfall bei ca. 15 Millionen Impfungen.


Bevor jetzt gleich wieder ein Aufschrei kommt: Natürlich gibt es da eine ordentliche Dunkelziffer! Es ist jedem denkenden Menschen klar, dass beileibe nicht jede lokale Impfreaktion gemeldet wird. Einen „Impfbollen“ (wie der Schwabe sagt), der zwei, drei Tage ein bisschen druckempfindlich ist, melde auch ich nicht gleich als Impfnebenwirkung. Todesfälle dagegen werden natürlich mit hoher Sicherheit angezeigt. Auch wenn Sie sie nicht kennen sollten: Wir Tierärzte haben da Vorschriften zu befolgen. Man kann also guten Gewissens feststellen und natürlich wissenschaftlich hieb- und stichfest untermauern, dass Impfungen grundsätzlich nicht wirklich gefährlich oder auf jeden Fall tausendmal ungefährlicher sind als jede der Krankheiten, gegen die sie schützen sollen.


Noch ein abschließendes Wort an diejenigen unter Ihnen, denen jetzt Sachen wie "Verschwörung", "finanzielle Verflechtungen der Impfkommissionen mit der Pharma-Industrie", "Krankheit ist eine Chance für den Körper", "Impfungen sind schuld an allem von Autismus über Alzheimer und Krebs bis zum IS-Terror" und andere Latrinen-Parolen der Impfgegner durch den Kopf schwirren, darüber hinaus auch an diejenigen, die ihre Kinder auf eine Masern-Party schleppen oder dieses vorhaben, und nicht zuletzt an diejenigen, die mit dem größten Recht der Welt und einem ungeimpften Welpen in der Hundeschule aufschlagen: Ich bin nicht Ihr Verbündeter! Aus eingehenden Nachrichten und Mails musste ich erfahren, dass einige von Ihnen (es kann sich eigentlich auf gar keinen Fall um Kunden meiner Praxis handeln, denn die kennen mich) der Auffassung sind, mich so einsortieren zu können. Wenn Sie just in diesem Moment schon die Finger auf der Tastatur haben, um Ihre Enttäuschung über Ihre Fehleinschätzung öffentlich zu machen: Lassen Sie es doch einfach! Ich kann es nur so unverblümt wie möglich ausdrücken, damit ich auf keinen Fall missverstanden werde: Impfverweigerer, ob bei Kindern oder Haustieren, sind für mich (und dankenswerterweise für die große Mehrheit der Bevölkerung) im besten Fall verantwortungslose Spinner, und die Meinung von Spinnern interessiert weder mich noch die meisten anderen. Ich bin mir voll und ganz der Tatsache bewusst, dass ich notorische Impfverweigerer weder durch gute Argumente noch durch gesunden Menschenverstand aus ihrem Wahn aufwecken kann. Sollten Sie sich zu diesen Leuten zählen, so gehen Sie mir einfach aus dem Weg, sowohl virtuell als auch im wirklichen Leben. Ich bin nicht der Tierarzt, den Sie suchen! Fahren Sie doch stattdessen nach Afrika und predigen Ihren zynischen und menschenverachtenden Schwachsinn den Leuten, die gerade ihre ganze Familie an Ebola verloren haben und die ihren rechten Arm für einen Impfstoff mit wer weiß was für Nebenwirkungen gegeben hätten, und versuchen dann, nicht auf der Stelle erschlagen zu werden.


Diejenigen jedoch, die meine Argumentation bis hierher nachvollziehen konnten, also hoffentlich die meisten von Ihnen, darf ich wie immer bitten: Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr


Ralph Rückert

© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Bei den Quellen 16, 89077 Ulm / Söflingen

07.03.2015. 11:33

Neuregelungen ab 2015

Tasso hat die Neuregelungen in einem Newsletter zusammengefasst..

TASSO-Newsletter

 

Neue Gesetze: Reisen und Tollwutimpfung
Was sich 2015 für Haustiere und ihre Halter ändert

 

Das neue Jahr bringt zwei neue Regelungen mit sich, die jeder Tierhalter kennen sollte. TASSO fasst die wichtigsten Änderungen zum Reisen mit Hund, Katze oder Frettchen und zur Tollwutimpfung beim Hund für Sie zusammen.

Neuer EU-Heimtierausweis

Seit dem 29. Dezember 2014 gelten für das Reisen mit dem Haustier neue Regelungen. Halter, die von nun an mit ihrem Tier verreisen wollen und bei ihrem Tierarzt ein Ausweisdokument beantragen, erhalten den neuen EU-Heimtierausweis. Optisch unterscheidet sich dieser nicht von seinem Vorgänger, inhaltlich müssen jedoch einige Angaben zusätzlich gemacht werden: Der Tierhalter muss seine personenbezogenen Daten mit seiner Unterschrift bestätigen. Im neuen Heimtierausweis müssen zudem die Kontaktinformationen des ausstellenden Tierarztes erfasst und von diesem unterschrieben sein. Um Missbrauch zu vermeiden, wird besonderes Augenmerk auf die Identität des Tieres gelegt: Sowohl die Seite mit dem Chip-Nummer-Aufkleber, als auch die Seite, die Aufkleber zu der verabreichten Tollwutimpfung enthält, werden mit einer selbstklebenden Laminierung versiegelt. Zudem muss der ausstellende Tierarzt die Kontaktinformationen des Tierhalters, die Ausweisnummer, die Chip-Nummer, falls vorhanden die Tätowierung und die Tätowierungsstelle, den Ort der Kennzeichnung, den Zeitpunkt der Anbringung oder des Ablesens für mindestens drei Jahre aufbewahren.

Für Tierhalter, die einen EU-Heimtierausweis haben, der vor dem 29. Dezember 2014 ausgestellt wurde: Alte Heimtierausweise behalten bis zum Lebensende des Tieres ihre Gültigkeit.

Tollwutimpfung

Am 31. Dezember 2014 ist eine neue Verordnung in Kraft getreten, die es auch Privatpersonen untersagt, Welpen ohne Tollwutimpfung nach Deutschland zu bringen. Zwischen der Tollwutimpfung und der Einfuhr der Hunde müssen mindestens drei Wochen liegen. Eine Impfung gegen Tollwut ist erst ab der 12. Lebenswoche möglich. Der Impfschutz wird erst 21 Tage nach der Impfung wirksam. Welpen können somit erst nach der 15. Lebenswoche nach Deutschland eingeführt werden.

Dies soll auch illegalen Welpenhändlern erschweren, Jungtiere einzuführen. Denn meistens geben diese vor, Privatpersonen zu sein, um die notwendigen Formalien wie beispielsweise die Tollwutimpfung zu umgehen. Illegal eingeführte Hunde sind fast immer jünger als 15 Wochen. Die meisten Welpen werden viel zu früh von der Mutter getrennt und sind oft erst zwischen vier und sechs Wochen alt, damit der Knuddelfaktor bei der Vermittlung noch ausreichend hoch ist. Allerdings brauchen Welpen wie auch Kinder genügend Zeit an der Seite ihrer Mutter, um entscheidende und lebenswichtige Erfahrungen zu machen und von ihr zu lernen. Wer ein Tier aus dem illegalen Welpenhandel kauft, riskiert es, ein verhaltensgestörtes und krankes Tier bei sich aufzunehmen. Diese Tiere landen später oft im Tierheim und haben kaum Chancen, wieder ein liebevolles Zuhause zu finden.

TASSO-Tipp: Hundewelpen, die eklatant jünger als vier Monate sind, sind wahrscheinlich illegal nach Deutschland gebracht worden oder stammen von einem unseriösen Züchter. TASSO rät, nur seriösen Tierschutzorganisationen sowohl im Inland als auch im Ausland, Tierheimen und Züchtern zu vertrauen.

Weitere Informationen zum Thema Wühltischwelpen, die Auswirkungen des illegalen Welpenhandels sowie die Gefahren, denen Mensch und Tier ausgesetzt sind, unter: www.tasso.net/wuehltischwelpen

Weiterführende Informationen zu den Neuregelungen unter: http://www.bmel.de/DE/Tier/HausUndZootiere/Heimtiere/_Texte/Heimtierausweis.html

 

© Copyright TASSO e.V.

08.01.2015. 20:16

Zahngesundheit

Sei geraumer Zeit teste unsere Hunde nun schon die UltraSchall Zahnreinigung.

Und wir sind so sehr begeistert.

Deshalb empfehlen wir hier allen unseren Hunde ( und auch Katzen-) freunden diese tolle Erfindung.

Diese Zahnreinigung ist vollkommen lautlos, unschädlich und sehr gründlich. Kein putzen, kein reiben ...einfach nur ranhalten und sich ein bischen Zeit nehmen.

Und das Schönste ist: Das Hundeküsschen ist ohne Maulgeruch.

Bei Fragen zu dieser besonderen Zahnreinigung bitte anrufen.

Ich habe noch ein kleines Video angehängt, da könnt ihr die genaue Handhabung sehen.

Einfach auf den Link klicken.

www.youtube.com/watch

30.12.2014. 19:05

Nein zur Kastration beim Hund

Die Kastration beim Hund - Ein Paradigmenwechsel

16.10.2014

Von Ralph Rückert, Tierarzt
Ich gehöre zu einer Generation von Tierärzten, der beigebracht wurde, eher beiläufig und ohne großes Nachdenken alles zu kastrieren, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Für einige Tierarten ist das auch nach wie vor der einzig gangbare Weg. Katzen beiderlei Geschlechts werden nun einmal erst durch die Kastration zu Haustieren. Auch Kaninchen und einige Nager können unkastriert eigentlich nicht artgerecht gehalten werden. Beim Hund waren wir aber bezüglich der Kastration nie in einer echten Zwangslage. Man kann mit entsprechendem Aufwand selbstverständlich intakte Rüden und Hündinnen völlig artgerecht halten. Andere Gründe waren ausschlaggebend: Die Prophylaxe verschiedener Erkrankungen, verhaltensmedizinische Probleme und die generelle Erleichterung der Haltung für den Besitzer. Den Vorteil der Unfruchtbarmachung hat man eher nebenbei mitgenommen. Wir lebten in der Überzeugung, dass wir den Hunden auf jeden Fall etwas Gutes tun. Diesbezüglich wird uns aber nun gerade der Teppich unter den Füßen weggezogen! Wenn Sie es irgendwo laut krachen hören, könnte das der Aufprall unseres kollektiven tiermedizinischen Hinterns auf dem Boden sein.

Es ist nicht so, dass ich nicht schon seit einigen Jahren die Glocken hätte läuten hören. Immer wieder kamen Studien heraus, die den Verdacht nährten, dass die Nebenwirkungen der Kastration des Hundes bei beiden Geschlechtern weit über das hinausgingen, was wir bisher für gegeben erachtet hatten. Es handelte sich aber erstmal nur um einzelne Veröffentlichungen, die teilweise auch gleich wieder mit Gegenstudien angegriffen wurden. Nun sind aber erste sogenannte Metaanalysen im Umlauf, also Arbeiten, die die Ergebnisse mehrerer Studien zu einem Thema zusammenfassen. Auch deren Folgerungen sind nach wie vor beileibe nicht unumstritten, aber es zeichnet sich doch ein klarer Trend ab, auf den ich als Praktiker an der Front reagieren muss.

Prof. Dr. Börne aus dem Münsteraner Tatort-Team sagte in der letzten Folge sinngemäß: Feste Überzeugungen sind was für schlechte Ärzte, Heilpraktiker und Taxifahrer! Er hat auf jeden Fall damit recht, dass gute Mediziner sich immer darüber im Klaren sein müssen, dass die Medizin eine Wissenschaft ist und dass die Wissenschaft nicht stillsteht. Das kann manchmal, so erschreckend das sowohl für Arzt als auch Patienten sein mag, zu einem recht abrupt wirkenden Kurswechsel führen. Und genau so etwas kündigt sich jetzt bezüglich der Hundekastration an.

Was haben wir bisher als Tatsachen gesehen? Trennen wir es mal der Übersichtlichkeit halber nach Geschlecht auf und fangen wir mit der Hündin an. Während unserer immer schon sehr ausführlichen Kastrationsberatung wurden Besitzer von Hündinnen seit jeher auf die folgenden Risiken hingewiesen:
-Harninkontinenz (Harnträufeln), das um so wahrscheinlicher auftritt, je schwerer die Hündin wird.
-Fellveränderungen (Baby- oder Wollfell), sehr häufig auftretend bei langhaarigen Rassen.
-Fettleibigkeit, die vor allem dann entsteht, wenn die Fütterung nicht an den reduzierten Kalorienbedarf nach einer Kastration angepasst wird.
-Seit einigen Jahren weisen wir auch auf unsere persönliche Erfahrung hin, dass die unter Hunden weit verbreitete Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) so gut wie ausschließlich bei kastrierten Tieren festgestellt wird.

Das war's aber auch schon. Was haben wir als Vorteile erwähnt?
-Keine Läufigkeit mehr (keine Blutung, keine ungewollte Fortpflanzung)
-Je nach Zeitpunkt der Kastration so gut wie vollständige Verhinderung von Mammatumoren (Brustkrebs)
-Definitive Vermeidung von Eierstock-Tumoren und der Gebärmutter-Vereiterung (Pyometra)
-Stabilisierung der Psyche durch Vermeidung starker hormoneller Schwankungen im Rahmen der Läufigkeit, allerdings mit der Einschränkung, dass bei manchen Hündinnen nach der Kastration ein gewisser Testosteron-Überhang entsteht, was die Hündin insgesamt männlich-grimmiger machen kann.

Auch das Für und Wider der im angloamerikanischen Kulturraum so weit verbreiteten Frühkastration (vor der ersten Läufigkeit) wurde besprochen. Ich bilde mir ein, dass ich nie einen Hündinnen-Besitzer zu etwas gedrängt habe. Mir war immer wichtig, dass der Verantwortliche in möglichst umfassender Kenntnis der aktuellen Faktenlage eine Entscheidung trifft und dann deren Vor- und Nachteile akzeptiert.

Beim Rüden war die Kastration immer eine Kann-aber-muss-nicht-Geschichte. Die krankheitsverhütenden Auswirkungen waren recht überschaubar, die Nebenwirkungen auch.
Nachteile:
-Auch beim Rüden tritt gelegentlich Harninkontinenz auf, aber viel seltener als bei der Hündin.
-Das gleiche gilt für Fellveränderungen.
-Das Problem des verringerten Kalorienbedarfs besteht völlig analog zur Hündin, also werden Rüden, die nach der Kastration die gleiche Futtermenge wie zuvor bekommen, ebenso fettleibig.
-Ebenfalls wie bei der Hündin stellen wir Schilddrüsenunterfunktionen eigentlich nur bei kastrierten Tieren fest.
Bezüglich der Vorteile lag die Hauptbetonung immer auf einer vom Besitzer erhofften Modifikation des typischen Rüdenverhaltens (Markieren, sexuell motivierte Aggression, Streunen, etc.). Von einer krankheitsverhütenden Wirkung ging man aus bezüglich:
-Hodentumoren (logisch!)
-Prostatatumoren
-Gutartiger Prostatavergrößerung
-Perianaltumoren

Auch in dieser Frage haben wir keinen Besitzer zu irgendetwas gedrängt, sondern eine eigene, auf Fakten beruhende Entscheidung gefördert. Allerdings sind wir seit der Markteinführung des Suprelorin-Implantates, das einen Rüden für eine bestimmte Zeit hormonell und reversibel - sozusagen auf Probe - kastriert, auch in Bezug auf diese Operation sehr zurückhaltend geworden.

Insgesamt kann man sagen, dass wir bei beiden Geschlechtern bis vor einiger Zeit der Ansicht waren, dass die Vorteile die Nachteile eher überwiegen. Wir haben diesen Standpunkt nicht nur vertreten, sondern durchaus selbst befolgt. Unsere Ridgeback-Hündin Nandi, die vor vier Jahren gestorben ist, war kastriert. Laurin, der jetzt zehn Jahre alte Rüde unserer Tochter, ist ebenfalls kastriert. Unser jetziger Hund, der vier Jahre alte Terrier-Rüde Nogger, ist es dagegen nicht. Was hat sich geändert? Ich muss dazu etwas weiter ausholen, bitte halten Sie durch!

Ich behaupte, dass die Tiermedizin als Wissenschaft sich zu lange auf sehr alten Studien zu dieser Thematik ausgeruht hat. Viele der Daten, mit denen wir argumentiert haben, stammen aus den Siebziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts. In letzter Zeit aber setzt sich in der medizinischen Wissenschaft ein neues Denken durch, die sogenannte Evidenzbasiertheit, was (vereinfacht) bedeutet, dass sich möglichst jede medizinische Vorgehensweise auf tatsächlich beweisbare Fakten stützen sollte. Dementsprechend wird momentan alles in Frage gestellt, was immer schon als Tatsache galt, aber nie so richtig bewiesen wurde. So wuchs auch der Drang der Forscher, das alte Thema der Kastration erneut aufzugreifen. Wie weiter oben schon erwähnt: Zuerst waren es einzelne und stark in Zweifel gezogene Studien, die zur Veröffentlichung kamen und noch keinen echten Anlass für einen Kurswechsel darstellten. Inzwischen verdichtet sich die Datenlage aber derart, dass man sie nicht mehr ignorieren kann.

Was ist jetzt das Problem, fragen Sie? Das Hauptproblem, mit einem Wort ausgedrückt, ist Krebs! Mit der Kastration wird einerseits das Auftreten bestimmter Tumore verhindert, andererseits aber steigt das Risiko für andere Krebsarten, und zwar wahrscheinlich so deutlich, dass das gesamte bisherige Kastrationskonzept in Frage gestellt wird. Einer der wichtigsten Grundsätze der Medizin lautet: Nihil nocere! Niemals schaden! Für mich sieht es inzwischen fast so aus, als ob man einen Hund nicht mehr ohne strengste Indikationsstellung kastrieren könnte, ohne diesen Grundsatz zu verletzen.

Eine der umfassendsten und bezüglich der Fallzahlen beeindruckendsten Arbeiten zu dem Thema ist für mich "Evaluation of the risk and age of onset of cancer and behavioral disorders in gonadectomized Vizslas (Risiko und Erkrankungsbeginn von Krebs und Verhaltensstörungen bei kastrierten Vizslas)". In dieser im Februar diesen Jahres im angesehenen Journal of the American Veterinary Medical Association veröffentlichten Studie greift die Kollegin Christine Zink auf die Daten von 2505 (!) ungarischen Vorstehhunden (Magyar Vizsla) zurück. Es macht im Rahmen eines Blog-Artikels wie diesem keinen Sinn, detailliert auf Kollegin Zinks Ergebnisse einzugehen, aber alles in allem muss man feststellen, dass kastrierte Tiere beiderlei Geschlechts ein teilweise um ein Mehrfaches erhöhtes Risiko aufwiesen, an bestimmten Krebsarten (Mastzelltumore, Hämangiosarkom, Lymphosarkom) zu erkranken, und das auch noch zu einem deutlich früheren Zeitpunkt als intakte Artgenossen. Auch bestimmte Verhaltensstörungen, vor allem die Angst vor Gewittern, kamen bei kastrierten Tieren deutlich häufiger vor. Andere Studien belegen, dass das Risiko für die Entwicklung eines Osteosarkoms (Knochenkrebs) für kastrierte Hunde um das drei- bis vierfache erhöht ist. Selbst die Datenlage zur Verhinderung von Gesäugetumoren durch die Kastration steht unter Beschuss. Und bösartige Prostatatumoren beim Rüden treten bei Kastraten nicht seltener, sondern häufiger auf!
Insgesamt wird die erhöhte Anfälligkeit für Tumorerkrankungen aktuell mit einer durch den Wegfall der Geschlechtshormone zusammenhängenden Beeinträchtigung des Immunsystems in Zusammenhang gebracht. Dafür spricht auch, dass bei kastrierten Hunden offenbar sogar eine höhere Infektanfälligkeit nachzuweisen ist.

Besonders bedrückend ist für mich, dass eine Kastration fast sicher das Auftreten von Hämangiosarkomen, den berüchtigten Milztumoren, fördert. Ich bin auf diese Erkrankung in einem früheren Blogartikel schon einmal eingegangen. Mit dieser extrem bösartigen und gefährlichen Tumorart haben wir es bei älteren Hunden andauernd zu tun. Unsere Nandi wurde aufgrund metastasierter Milztumore eingeschläfert. Die Vorstellung, dass wir diese fiese Krankheit durch Kastration auch noch gefördert haben sollen, finde ich einfach schrecklich. Meine amerikanische Kollegin und Krebsspezialistin Alice Villalobos findet dafür einen sehr passenden Ausdruck: Earth shattering!

Damit leider nicht genug: Auch verschiedene orthopädische Probleme werden inzwischen mit der Kastration in Verbindung gebracht. Bezüglich Kreuzbandrissen scheint es bereits unumstritten festzustehen, dass diese Verletzung bei kastrierten Tieren deutlich häufiger vorkommt. Es gibt aber auch Hinweise, dass sogar Hüftgelenkarthrosen bei Kastraten früher und schlimmer auftreten. Letzteres scheint aber noch nicht wirklich sicher. Ziemlich klar dagegen ist der Zusammenhang zwischen der Kastration und der häufigsten endokrinologischen Störung des älteren Hundes, der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Nachdem, wie schon erwähnt, momentan alles in Frage gestellt wird, was bisher galt, könnte man noch einige Punkte mehr aufführen, aber das bringt uns an dieser Stelle nicht weiter. Wenn wir den Grundsatz, niemals schaden zu wollen, ernst nehmen, ist es hier und jetzt Zeit für einen Kurswechsel. Wir können beim Hund nicht mehr guten Gewissens einfach so im Vorbeigehen kastrieren! Selbstverständlich wird es nach wie vor Hunde geben, die nach sorgfältigster Abwägung der individuellen Umstände trotzdem kastriert werden. Da mögen bestimmte Haltungsbedingungen (Hündin und Rüde im gleichen Haushalt) vorliegen oder gute medizinische Gründe (Perianaltumore oder eine Perinealhernie beim Rüden, chronische oder akute Gebärmuttererkrankungen bei der Hündin), die einfach keine andere Wahl lassen. Von solchen klaren Indikationen aber abgesehen werden wir in Zukunft mit Kastrationen in unserer Praxis noch zurückhaltender sein als wir es in den letzten Jahren sowieso schon waren.

Ach ja, ein letzter Punkt vielleicht noch: In letzter Zeit scheint es sich zu häufen, dass Hundetrainerinnen und Hundetrainer es sich zutrauen, speziell bei Rüden eine Kastrationsindikation zu stellen, um Erziehung und Handling zu erleichtern. Die Besitzer treten dann an uns heran mit der Bitte, den Hund zu kastrieren, weil es die Trainerin oder der Trainer so angeraten habe. Davon kann unter Berücksichtigung der erläuterten Faktenlage natürlich gar keine Rede sein! Eine sich eventuell etwas schwieriger als erwartet gestaltende Erziehung stellt zumindest in unserer Praxis keine ausreichende Begründung für diesen Eingriff dar.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Besitzer von Hunden, die irgendwann in unserer Praxis kastriert wurden, jetzt darüber unglücklich oder gar auf uns sauer sind. Das ist einerseits auf der emotionalen Ebene ein Stück weit nachvollziehbar, andererseits kann ich den Vorwurf nur an die in der Forschung arbeitenden Stellen weitergeben. Ich bin als Praktiker von der Forschung und ihren Erkenntnissen abhängig und beileibe nicht glücklich, dass man sich bezüglich dieses Themas gute dreißig Jahre auf alten Lorbeeren ausgeruht hat. Davon abgesehen: Bitte keine Panik, dazu gibt es absolut keinen Anlass. Wenn wir beispielsweise bei einer bestimmten Tumorart von einer Verdreifachung des Risikos sprechen, klingt das im ersten Moment wirklich übel. Wenn man sich aber klar macht, dass diese Tumorart an sich nur eine Wahrscheinlichkeit von 1,5 Prozent hat, dann bedeuten die aus einer Verdreifachung des Risikos resultierenden 4,5 Prozent immer noch, dass ein ganz bestimmter Hund diesen Tumor zu 95,5 Prozent NICHT bekommen wird.

Viele, nicht zuletzt Kolleginnen und Kollegen, werden einwenden, dass ein solcher Kurswechsel langfristig auch wieder bestimmte Konsequenzen haben wird. Stimmt! Wir werden bei intakten Hündinnen eventuell wieder öfter Gesäugetumoren und ganz sicher wieder mehr Gebärmutter-Vereiterungen (Pyometren) sehen. Aber auch das ist eben eine Sache der Risikoabwägung. Ein gut aufgeklärter Besitzer wird sowohl ein Gebärmutter-Problem als auch einen Gesäugetumor frühzeitig erkennen und entsprechend beim Tierarzt vorstellen. Die Chancen einer frühen und erfolgreichen chirurgischen Intervention sind dann ganz entschieden besser als bei einem Hämangiosarkom der Milz oder gar einem Lympho- oder Osteosarkom.

Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich mit dieser für meine Praxis geltenden Positionsfestlegung in das sprichwörtliche Wespennest steche, und zwar gleichermaßen bei Hundebesitzern und bei Tierärzten. Sicherlich wird es viele Praxen geben, die bereits einen vergleichbaren Standpunkt eingenommen haben, dies aber nicht per Blog-Artikel öffentlich machen. Andere Kolleginnen und Kollegen werden meine Einlassungen als viel zu vorschnell verurteilen und nach immer noch beweiskräftigeren Studien rufen. Mir geht es um zwei Punkte: In erster Linie möchte ich mit diesem Artikel meine Kunden darüber informieren, dass sich etwas Grundlegendes geändert hat. Darüber hinaus würde ich ungern erleben, dass wir, wie damals bei der Verlängerung der Impfintervalle, eine neue Entwicklung komplett verpennen, um dann 5 bis 10 Jahre hinter den Amerikanern her zu hinken.

Sobald sich der Staub etwas gelegt hat (was noch einige Zeit dauern kann), werden wir für unsere Kunden ein Aufklärungsformular verfassen, in dem alle bis zu diesem Zeitpunkt als gesichert geltenden Fakten aufgeführt sind.

Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr
Ralph Rückert
© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Bei den Quellen 16, 89077 Ulm / Söflingen

25.10.2014. 09:31

Fellpflege

Immer wieder werde ich zur Fellpflege beim Kuvasz gefragt.

Einmal die Woche gründlich kämmen ist wichtig. Vorallem hinter den Ohren. Ansonsten hat der Kuvasz ein selbstreinigendes Fell. Trocknen lassen, schütteln und schon ist wieder alles weiß. Baden im See ist schön und gesund. In der Dusche nur im Notfall. Nur natürliche, sehr milde Shampoos verwenden. Im Frühling und Herbst erfolgt ein Fellwechsel. Hier fällt mal 14 Tage mehr Wolle an. Diese läßt sich super spinnen und zu Wolle verarbeiten. Und wie die obigen Bilder anschaulich zeigen, nicht scheren!

23.05.2014. 19:00

Zucht im VDH

30.04.2013. 20:27

Nachzuchtkontrolle

Nachzuchtbeurteilung

Was versteht man darunter und warum ist sie so wichtig

Wie der Name schon andeutet, wird bei der NZB(=Nachzuchtbeurteilung) die Nachzucht, also die Welpen eines Wurfes nach bestimmten Elterntieren von einem spezialisierten Fachmann/frau im KfUH begutachtet. Dafür gelten sehr strenge Kriterien. So wird z.B. das Gebiss, die Zahnstellung, die Hoden, der Kopf, das Gebäude, der Knochenbau, die Bemuskelung, die Brust, die Stellung der Schulterblätter, Stellung und Haltung der Vorder- und Hinterläufe, das Gangwerk, die Pigmentierung der Haut, Lefzen und Krallen usw. und ganz wichtig: das Verhalten und Wesen der Nachkommen geprüft und dokumentiert.

Ein Zuchttier ist immer nur so gut, wie seine Nachzucht.

Was ist die hochdekorierte Championesse für die Zucht wert, wenn sie sich nicht fortpflanzen kann, oder mehrere Nachkommen krank sind.

Der Klub für Ungarische Hirtenhunde hat in seiner neuen Zuchtordnung festgeschrieben, dass von jedem Wurf 50% der Nachkommen den Spezial-Zuchtwarten/Richtern des KfUH vorgestellt und geröntgt werden müssen.

Die Gesundheitsstatistiken sämtlicher Würfe kann jeder Welpeninteressent hier auf meiner HP einsehen. Sie enthält sowohl die positiven, als auch die weniger guten Ergebnisse, denn nur der absolut ehrliche Umgang mit den Gesundheitsdaten und größtmögliche Transparenz unterscheiden den verantwortungsbewussten Züchter vom gewissenlosen Hundevermehrer.

Das Ziel ist es, möglichst 100% der Nachkommen aus meiner Zucht sowohl zur NZB vorzustellen, aber noch viel wichtiger: von spezialisierten Tierärzten auf HD/ OCD/ ED röntgen und auf g-PRA untersuchen und die Ergebnisse im KfUH veröffentlichen zu lassen.

Übrigens alle unsere Hunde sind PRA frei. Somit sind auch alle Welpen prcd-PRA-frei.

20.02.2011. 11:29

Gesundheit und Zucht


Die Zucht im Klub für Ungarische Hirtenhunde e.V.

unterliegt höchsten Anforderungen. Wir sind Mitglied im VDH.

Der VDH wiederum ist als einziger Hundezuchtverband in Deutschland Mitglied in der FCI. Der VDH hat eine der strengsten Zuchtordnungen der Welt. In unserem Klub haben wir eine speziell auf unsere Rassen abgestimmte Zuchtordnung mit teilweise weit über die Anforderungen des VDH
hinausgehenden Bestimmungen

Diese Bestimmungen dienen dem Wohl unserer Hunde und damit dem Nutzen der Hundehalter.

Zuchthunde aller unserer Rassen sind auf HD geröntgt.
Zuchthunde der Rasse Kuvasz werden zusätzlich auf OCD der Schulter untersucht und sind genetisch auf PRA getestet worden.
Zuchthunde der Rasse Pyrenäenberghund sind ebenfalls auf OCD der Schulter und zusätzlich auf Patella-Luxation untersucht worden.
Alle
Gutachten werden ausschließlich von unabhängigen Spezialisten erstellt bzw. akzeptiert. Diese Maßnahmen dienen der Qualitätssicherung.

Jeder Zuchthund ist angekört worden. Bei der Körung wurde der Hund anhand des Standards begutachtet und sein Verhalten wurde überprüft. Alle Merkmale wurden auf einem Körbogen protokolliert.

Unsere Würfe werden durch ausgebildete Zuchtwarte überprüft.
Der Zuchtwart erstellt für jeden einzelnen Welpen ein Protokoll, das dem Welpenkäufer ausgehändigt wird.
Vor der Wurfabnahme werden alle Welpen tierärztlich untersucht, geimpft und gechippt.

Welpenkäufer erhalten bei der Übergabe des Welpen selbstverständlich ohne Aufpreis einen Impfpass sowie einen Gesundheitspass ihres Welpen.

Von allen Welpen wurde eine Blutprobe beim Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung der Universität Hannover eingelagert. Mit dieser Maßnahme ermöglichen wir die wissenschaftliche Forschung zur Gesunderhaltung unserer Hunde, für die wir zudem erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.

Unser Bestreben ist die Zucht gesunder, wesensfester und standardgerechter Rassehunde. Von unseren Züchtern erwarten wir deshalb ein hohes Maß an Idealismus und Engagement.

Züchterische Freiheit muss da aufhören, wo es um die Gesundheit unserer Hunde geht.

Als Interessent an einem Welpen unserer Rassen sollten Sie unsere Zuchtordnung ausführlich lesen, Zuchtstätten besichtigen, alle in einer Zuchtstätte gehaltenen Hunde genau ansehen, Gesundheitsbefunde sowie Körbögen von Elterntieren einsehen und dann vergleichen.

Sie werden zu dem Schluss kommen, dass Sie nur bei einem Züchter des KfUH bestens aufgehoben sind!

Liebe Hundefreunde,

als Hundeliebhaber wissen Sie, dass kaum etwas schlimmer ist als dass ein Hund, den Sie als Welpe vom Züchter Ihres Vertrauens geholt und in Ihr Herz geschlossen haben, plötzlich erkrankt.

Wenn dann noch der Tierarzt erklärt, dass die Erkrankung vermeidbar gewesen wäre, wenn der Züchter bestimmte Vorsorgeuntersuchungen bei den Elterntieren vor dem Zuchteinsatz hätte durchführen lassen und eventuell besser von der Verpaarung der Elterntiere Abstand genommen hätte, bricht für manch einen Hundeliebhaber die Welt zusammen.

Diese negativen Erfahrungen vermeiden zu helfen, ist das Ziel des Klubs – durch bewusste, an der Gesundheit der Zuchthunde ausgerichtete Auslese der Zuchthunde.

Züchter des Klubs müssen grundsätzlich jeden Hund vor dem Zuchteinsatz Gesundheitsprüfungen und Zuchttauglichkeitsprüfungen unterziehen und dürfen nur, wenn alles in Ordnung ist, mit dem Hund züchten – nur dies heißt Verantwortung für die Welpen und deren Käufer!

Leider gibt es immer wieder Personen außerhalb des Klubs, die ausgerechnet mit den Hunden “züchten”, bei denen die Gutachter des Klubs derart gravierende gesundheitliche Mängel festgestellt haben, dass kein Züchter im Klub und unter dem VDH (Verband für das deutsche Hundewesen) sie zur Zucht einsetzen darf.

Es handelt sich dabei um Hunde die nachweislich krank sind bzw. bei denen ein genetisch bedingter Defekt nachgewiesen worden ist. Deren Besitzer sind aus unserem Klub ausgetreten – um in unverantwortlicher Weise trotzdem mit ihnen zu “züchten”. Diese Personen werben häufig mit Championtiteln. Was aber hat der Käufer eines kranken Hundes von einem Championtitel der Elterntiere?

Lassen Sie sich bei der Auswahl Ihres Hundes bei Züchtern außerhalb des Klubs nicht durch Championtitel der Elterntiere oder durch irreführende Angaben auf deren Homepages zum Kauf verführen.

Quelle: KfUH e.V.

Chanel und Domingos Welpen im Dezember 2010

20.02.2011. 11:00

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